Würdige Veranstaltung mit 450 Gästen in der Stadthalle
Ein Grund zum Feiern: 30 Jahre Pro Polizei Wetzlar
(ew). 30 Jahre Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar – über 1000 Mitglieder im eingetragenen und als gemeinnützig anerkannten Verein – 450 Gäste bei der Jubiläumsfeierlichkeit in der Stadthalle. Eindrucksvolle Zahlen, in den vergangenen drei Jahrzehnten erwachsend und aufblühend aus einer Idee des Gründungs- und bis heute amtierenden Vorsitzenden Hans-Jürgen Irmer.
Einem Gedanken, der dem damaligen CDU-Landtagsabgeordneten nicht im Entferntesten als eine Art PR-Aktion entsprungen ist, sondern Ausdruck der durch persönliche Erfahrungen manifestierten Notwendigkeit, der Polizei, damals in Sonderheit der heimischen Polizeistation Wetzlar im Blick auf deren Arbeitsbedingungen, „unter die Arme greifen“ zu wollen, ja zu müssen.
Zahlreiche Nachtschichten, in denen Hans-Jürgen Irmer Mitte der 1990er Jahre auf eigene Initiative und in seiner Funktion als Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Wetzlar die heimischen Polizeibeamten begleiten durfte – sowohl auf der Wache als auch im Streifenwagen – bezeichnet er als „einschneidende Erlebnisse“.
Zur Unterstützung bereit und willens
„Einerseits“, so beginnt er in seinem Vorwort des 243 Seiten starken Jubiläumsbuches seinen Rückblick auf Werden und Wachsen, Antizipieren und Agieren von Pro Polizei Wetzlar, „größter Respekt vor der Arbeit der Polizeibeamten … andererseits aber Entsetzen darüber, wie miserabel die Polizei im Vergleich zur Ausstattung der Verbrecher ausgestattet war …“
Der Gedanke, die heimische Polizei unterstützen zu wollen, war geboren. Die Umsetzung in konkretes Handeln, einschließlich der Überwindung auch anfänglichen polizeiinternen Widerstandes, bedurfte intensiver Vorbereitung besonders hinsichtlich der unabdingbaren Voraussetzung, nur in Gemeinschaft Vieler erfolgversprechend agieren zu können. Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit des Ideengebers (und -umsetzers) Hans-Jürgen Irmer waren gefragt. Und führten zum Erfolg.
Idee findet Unterstützer
Am 10. Juli 1996 fand in den Räumen der IHK Wetzlar in Anwesenheit von 50 interessierten Wetzlar Bürgerinnen und Bürgern die Gründungsversammlung von Pro Polizei Wetzlar statt. Unter anderem in den Namen der Mitglieder des Gründungsvorstandes – Ute Benner-Manzetti, Fritz Cunz, Walter Ebertz, Matthias Hundertmark, Dietrich Janßen, Cornelia Kloft, Gerhard Neumann, Christoph Schäfer, Prof. Dr. Gerhard Schmidt-Burbach, Dieter Steinruck, Udo Volck, Dr. Trutz Weber und eben Hans-Jürgen Irmer als Vorsitzender – ließ sich die begründete Hoffnung herleiten, dass der Start der Bürgerinitiative zur ideellen und materiellen Unterstützung der heimischen Polizei der Beginn einer nachhaltigen Bewegung sein könnte.
Und so ist es dann auch gekommen. Waren es 1996 ein halbes Hundert Gründer, so sind nach drei Jahrzehnten über 1000 Frauen und Männer aus Stadt und Kreis sowie darüber hinaus, darunter eine stattliche Anzahl „Prominenter“, fördernde oder aktive Mitglieder in der Bürgerinitiative Pro Polizei Wetzlar e.V.
Was Pro Polizei Wetzlar in den folgenden drei Jahrzehnten in Sachen Unterstützung der heimischen Polizei – und mit der Inbetriebnahme des „Hauses der Prävention“ im Jahr 2021 durchaus der gesamten Stadtbevölkerung – in materieller und ideeller sowie in den jüngeren Jahren auch präventiver Hinsicht – und nicht zu vergessen die Aktivitäten auf Vereins- und gesellschaftlicher Ebene – auf die Beine und zur Verfügung gestellt hat, das ist in dem erwähnten und im Übrigen kostenlos erhältlichen Jubiläumsbuch umfangreich dokumentiert.
Ein Grund zum Feiern
Die große Veranstaltung zum 30. Geburtstag der BI Pro Polizei Wetzlar mit 450 Gästen und dem Landespolizeiorchester Hessen in der Stadthalle Wetzlar würdigte einen besonderen Verein, den der ehemalige Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, selbstredend Mitglied von Pro Polizei Wetzlar, in seiner Ansprache als eine „wahre Erfolgsgeschichte“ bezeichnete.
Mehr noch. Mit der Bemerkung, dass es „so etwas wie Pro Polizei Wetzlar vermutlich in ganz Deutschland nicht mehr gibt“, verlieh Bouffier dem Jubel-Verein eine Art Plakette der Einmaligkeit. Einmaligkeit als „Erstling“ eines die Polizei unterstützenden Bürger-Vereins, zugleich aber Initiator nachfolgender Gründungen mit gleicher Ausrichtung beispielsweise in Dillenburg und Weilburg, aber auch in Frankfurt und Berlin sowie in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Und jeweils, diese Feststellung muss erlaubt sein, mit Hans-Jürgen Irmer als tätigem und Rat gebendem „Geburtshelfer“.
Materielle und Ideelle Unterstützung
Der „materielle Ansatz“ zur Unterstützung der heimischen Polizei auf den unterschiedlichsten meist technischen Feldern stand laut Irmer in der ersten Hälfte des Vereinsbestehens im Vordergrund. Mittlerweile sei die ideelle Unterstützung und die Prävention stark in den Vordergrund getreten. Und das nicht nur in Bezug auf die heimische Polizei, sondern praktisch in der gesamten Republik.
Denn im Laufe insbesondere der letzten Dekade sei die Entwicklung und die Zunahme der Angriffe auf Polizeibeamte im Dienst sowie auf andere Rettungskräfte mit aktuell mehr als 100.000 pro Jahr überaus besorgniserregend und schon lange nicht mehr hinnehmbar. Politik, Staat und Gesellschaft seien gefordert und zum Handeln aufgerufen, die Bekämpfung der Ursachen alternativlos.
Irmer: Respekt und Wertschätzung
Verantwortung für fehlenden Respekt und mangelnde Wertschätzung der Polizeibeamten wies Irmer unter anderem auch Teilen der Politik, der Medien und leider auch der Justiz zu, die allzu oft mit ihren öffentlichen Äußerungen und Einschätzungen sowie Urteilen zu Ereignissen und Vorkommnissen, an denen Männer und Frauen in Polizeiuniform beteiligt sind, „die“, um es vorsichtig auszudrücken, „falschen Signale aussenden“.
Irmer wünscht sich mehr moralische und tatsächliche Unterstützung und ein „Grundvertrauen in die gesamte Blaulichtfamilie“ – von Politik, Medien und Bürgern. Für Letzteres stehe Pro Polizei Wetzlar. Denn eines dürfe nie vergessen werden: Unter jeder Uniform steckt ein Mensch, ein Vater, eine Mutter, eine Schwester, ein Bruder, ein Onkel, ein Enkel.
„Sie verdienen unseren Respekt, unsere Anerkennung und Unterstützung. Sie sorgen mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz und nicht selten mit ihrem Leben rund um die Uhr für unsere Sicherheit und unsere Freiheit. Denn: ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit!“
Bouffier: Lob für wichtiges Anliegen
Pro Polizei Wetzlar ist laut Volker Bouffier, einst als Innenminister „oberster Polizist“ in Hessen, eine der seltenen Bürgerinitiativen, die sich nicht gegen, sondern für etwas engagiere, und schon deshalb etwas Besonderes. Pro Polizei Wetzlar sei „auf Dauer angelegt“, weil sie sich einem grundsätzlichen Thema verschrieben habe.
In schwierigen Zeiten habe sie geschafft, parteiübergreifend Menschen für eine wichtiges Anliegen zu begeistern, habe erkannte Herausforderungen angenommen und sich ihrer Lösung gewidmet – was dem „klaren Profil“ ihres Vorsitzenden entspreche. Die breite Basis ihrer Mitgliederschaft und ihre Grundüberzeugungen, die auch in Zukunft gebraucht werden, ist laut Bouffier das Geheimnis des Erfolges in nun 30 Jahren ihres Bestehens.
Denn ein wichtiger Teil der polizeilichen Aufgabe sei es, „den Menschen Orientierung zu geben“. Das werde in „problematischen Zeiten“ unter dem Einfluss der „sozialen Medien“, die nicht selten Hass säten und die Bereitschaft zeigten, „alles in die Tonne zu treten“, sicher nicht einfacher.
Bürger dürfen lauf Bouffier nicht „unbeteiligt dabeistehen“, sondern müssen aktiv werden, damit es nicht dazu komme, dass „alle Regeln gebrochen werden“. Denn dann würden diejenigen, die die Regeln bewusst brechen, „künftig die Regeln für uns machen“, so der ehemalige hessische Landesvater.
Paschek: Lob für Brückenbauer
Landespolizeipräsident Felix Paschek lobte und bedankte sich bei den „engagierten Menschen, die sich für ihre Polizei einsetzen“. Angesichts einer sich immer schneller verändernder Rahmenbedingungen, richte sich die Polizei in ihrer Arbeit stetig neu aus, um ihrer Aufgabe, für Stabilität zu sorgen, gerecht zu werden.
Und diese Polizeiarbeit finde überwiegend „vor Ort“ statt, so dass eine Verzahnung der Polizei mit den Menschen vor Ort unverzichtbar sei. In diesem Sinne sei der Verein Pro Polizei Wetzlar „Brückenbauer im besten Sinne“.
Für den Landespolizeipräsidenten ist „jeder Rechtfertigungsversuch im Zusammenhang mit Übergriffen auf die Polizei“, zum Beispiel, wie von Irmer genannt, Politik und Medien, ebenso verwerflich wie der Angriff selbst.
Volkmann: Vorbildfunktion
„Demokratie lebt vom Mitmachen und vom gegenseitigen Respekt im alltäglichen Miteinander“, hob Johannes Volkmann, Bundestagsabgeordneter des heimischen Wahlkreises, hervor. Dies könne jedoch nicht von der Politik verordnet werden, sondern müsse von der Basis der Gesellschaft, von den Bürgern vor Ort ausgeben.
Ein solches bürgerschaftliches Engagement widerstehe auch wirksam dem Niedergang gesellschaftlichen Vertrauens. Pro Polizei Wetzlar benenne Probleme und engagiere sich zugleich an deren Lösung – und sei deshalb im besten Sinne ein Vorbild, lobte Volkmann, der, geboren im Jahr der Gründung von Pro Polizei Wetzlar, Mitglied dieser besonderen BI ist.
Ullrich: Polizei verdient Vertrauen
Den Mitgliedsstatus darf auch Mittelhessens Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich für sich reklamieren. Pro Polizei Wetzlar stärke das Bewusstsein, dass Polizei und Bevölkerung keine Gegensätze sind, sondern Partner. Der ebenso alte wie zutreffende Slogan „Die Polizei, dein Freund und Helfer“, sollte wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken.
Das Vertrauen in die Polizei sei die Grundlage für ein gelingendes Miteinander. Da dies allerdings kein Selbstläufer sei, gebühre der BI Pro Polizei Dank für ihr Engagement. Dabei habe die Polizei den Auftrag und die Pflicht, geltendes Recht durchzusetzen. Sicherheit sei eine gemeinsame Aufgabe. „Nur so funktioniert der Staat; alles andere endet letztlich in Anarchie“, so Ullrich.
Der Regierungspräsident mahnte einen respektvollen, angemessenen und besonnene n Umgang der Gesellschaft mit der Polizei an. Das gelte besonders auch für die „Unschuldsvermutung“, die, so könne man vermuten, in der „veröffentlichten Meinung“ leider nicht mehr uneingeschränkt gelte.
Andererseits aber gebe es kaum ein Land weltweit, in dem das Grundvertrauen der Menschen in „ihre“ Polizei so ausgeprägt sei wie in Deutschland. Der Regierungspräsident ist sich sicher, dass eine – wenn auch leider oft schweigende – Mehrheit an der Seite der Polizei stehe. Das müsse nur öfter deutlicher werden. Auch in diesem Sinne sei Pro Polizei Wetzlar ein „leuchtendes Beispiel“.
Kratkey: Regeln einhalten
Die Grüße der Stadt Wetzlar überbrachte Stadtrat Jörg Kratkey, der – ebenfalls selbst Mitglied – das 30-jähriges Bestehen von Pro Polizei Wetzlar als „außergewöhnliche Leistung“ bezeichnete, die nicht genug gewürdigt werden könne.
Die Polizei habe die Aufgabe, dass Regeln, die gelten, auch eingehalten werden. Da es aber nicht mehr überall Konsens sei, dass Recht und Gesetz mehr sind als „Regeln mit empfehlendem Charakter“, muss laut Kratkey „in dieser Gesellschaft Einiges klargestellt und geradegerückt werden“.
Nicht aber die Tatsache, „dass 30 Jahre Pro Polizei Wetzlar und 30 Jahre 1. Vorsitzender Hans-Jürgen Irmer ein Grund zum Feiern sind“.



Wann?: Samstag, 09. Mai 2026 um 18.00 Uhr (Einlass: ab 17.00 Uhr)
Wo?: Stadthalle Wetzlar, Brühlsbachstraße 2b, 35578 Wetzlar
Programm: Unterhaltung, Büffet, Innenminister und Landespolizeiorchester.
Freuen Sie sich auf einen festlichen Gala-Abend mit offiziellem Festakt, Grußworten und einem Unterhaltungsprogramm.
Im Rahmen der Veranstaltung sind Sie herzlich zum Büfett eingeladen; die Getränke bitten wir jedoch selbst zu übernehmen.



